Ein Satz über meinen Arsch saß jahrelang mit am Tisch.

Ich war ungefähr zwölf. Wir saßen alle zusammen, es gab Zwetschgenkuchen mit Sahne. Ich nahm mir noch ein Stück. Da sagte meine Tante zu meiner Oma

„Die wird aber einen ganz schönen Arsch kriegen, wenn sie so weiterisst.“

Für die anderen war es vielleicht nur ein Satz. Bei mir blieb er hängen.

Von da an schaute ich zuerst auf meinen Hintern. Ich stand bucklig, damit er nicht so auffiel. Später ging ich kaum ohne ein Tuch um die Hüften aus dem Haus. Und beim Essen lief im Kopf oft schon die nächste Bewertung mit.

Dabei ging es irgendwann um viel mehr als Kuchen und Arsch.

Unter solchen Sätzen liegt oft noch eine ganze Geschichte. Scham. Angepasste Regeln. Der Wunsch, nicht aufzufallen und es allen recht zu machen. Und die Frage, ob ich überhaupt so sein darf, wie ich bin.

Als ich angefangen habe, genauer hinzuschauen, hat sich nach und nach mehr verändert als mein Blick auf meinen Körper. Ich habe begonnen, alte Regeln zu hinterfragen. Meine eigenen Wünsche wieder wahrzunehmen. Nein zu sagen. Entscheidungen für mich zu treffen und mir im eigenen Leben mehr Platz zu nehmen.

Nicht über Nacht und nicht mit einem einzigen Aha-Moment. Eher Stück für Stück, während ich verstanden habe, was da eigentlich alles unter der Oberfläche lag.

Seit vielen Jahren arbeite ich als Hairstylistin und bin dadurch mit unzähligen Frauen ins Gespräch gekommen. Über Haare. Über Körper. Über das, was man zeigt und das, was man lieber versteckt. Meine Erfahrungen und meine Ausbildungen in Coaching und Energiearbeit sind in meine heutige Arbeit eingeflossen.

Heute begleite ich Frauen dabei, wieder mehr bei sich anzukommen. Nicht, weil mit ihnen etwas falsch ist. Sondern weil unter dem Funktionieren, Zweifeln und Sich-klein-Machen oft schon lange die Frau wartet, die sie eigentlich sein möchten.

Und ja, heute esse ich meinen Kuchen wieder mit Sahne.

Mein Arsch darf dabei einfach meiner sein.